Kritik: Andrzej Sapkowski – Die Zeit der Verachtung

Sapkowksi_Die_Zeit_der_VerachtungKrieg bahnt sich zwischen Nilfgaard und den nördlichen Königreichen an. Mitten im Zentrum der Intrigen und Ränke befindet sich die junge Thronerbin Cirilla. Ihr Beschützer Geralt muss mehr und mehr feststellen, dass er sie kaum beschützen kann.Andrzej Sapkowksi zieht im seinen zweiten Buch Die Zeit der Verachtung den Spannungsbogen deutlich in die Höhe, während im ersten Buch Das Erbe der Elfen die Spannung relativ konstant auf einem Level blieb. Das bekommt der Geschichte auf jeden Fall gut. Passend zum steigenden Spannungsbogen gewinnt die Geschichte auch deutlich an Komplexität. Die Intrigen und Machenschaften rund um den bevorstehenden Krieg würzen das Buch mit einigen interessanten Fragen über die Frontenzugehörigkeit der Zauberer – besonders was Yennefer anbelangt – oder der revoltierenden Nicht-Menschen. Es ist wieder deutlicher zu erkennen, dass Sapkowski kein Freund von einfachem Schwarz-Weiß-Denken ist. Der Autor lässt hier viele Handlungsstränge offen oder erklärt sie nicht ganz. Das kann man negativ anprangern, muss man aber nicht.

Außerdem verschiebt sich der Fokus der Geschichte immer weiter von Geralt zu Ciri. Ihre Handlungen und die Handlungen um sie herum treiben die Geschichte voran, während Geralt oft den Eindruck erweckt etwas planlos hinter ihr her zu hecheln. Die sonst so starke Person des Hexers kommt etwas ins Wanken, da seine inneren Zweifel ihn immer wieder zurück zu halten scheinen. Entweder er zaudert oder er prescht darauf los wie ein Berserker. Dieser Zwiespalt ist für die Charaktertiefe durchaus positiv aber als Leser möchte man ihm öfter mal eins mit dem Zaunpfahl überziehen.

Fazit: Ein gutes zweites Buch, dass nicht zur bloßen Überleitung verkümmert, sondern eine Steigerung und Weiterführung des ersten Buchs ist. Kein abgeschlossener Roman, aber das sollte man von einer Serie auch nicht erwarten.

Autor: Andrzej Sapkowski
Titel: Die Zeit der Verachtung
Titel der Originalausgabe: Czas Pogardy
Ausgabe: 2. Auflage November 2009, Deutsche Erstausgabe Juni 2009
Verlag: Deutscher Taschenbuchverlag, München
ISBN: 978-3-423-24726-9

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