Kritik: Andrzej Sapkowski – Der letzte Wunsch 2

Geralt von Riva ist Hexer und verdient seinen Lebensunterhalt damit die Welt von allerlei Getier zu befreien – egal ob Dämonen, Vampire oder Basilisken. Das große Problem an seiner Provesion ist jedoch, dass ihn so einige Kunden anheuern wollen, um nicht nur böse Ungeheuer, sondern ungeliebte Zeitgenossen loszuwerden. Das widerspricht seinem ganz eigenen Moralkodex und bringt ihn in so manche Schwierigkeit.Andrzej Sapkowski schafft in seinem Buch Der letzte Wunsch mit Geralt eine Figur ganz weit weg von den üblichen Bildern magisch begabter Hauptcharakterer. Er ist kein Gandalf, der weise über das Wohl und Wehe der Welt wacht, aber auch kein Raistlin, der auf der Suche nach Macht den Bezug zu ihr verliert. Geralt ist trotz seiner nicht geringen Kräfte nicht Machtbesessen oder arrogant. Er ist eine sympathische Person geprägt durch das harte Training als Hexer und seinem Leben als Außenseiter der Gesellschaft. Denn genauso wie die Wesen, die er jagdt, ist er kein gern gesehener Gast in den Städten und Burgen von Sapkowskis Welt. Der Zwiespalt zwischen seinen moralischen Grenzen und der pragmatischen Kälte eines Jägers machen ihn zu einem interessanten Charakter.

Die Welt des Geralt von Riva ist ein von Märchen und Legenden bevölkertes europäisch geprägtes Mittelalter. Sapkowski webt in seine Welt außerdem immer wieder leicht abgewandelte Gestalten aus bekannten Märchen ein. Bei ihm wirken sie jedoch etwas echter, als hätten sie so wirklich gelebt und sind erst danach durch Erzählen und Ausschmücken zu den Wesen geworden, die wir heute kennen.

Die Dialoge nötigen des öfteren zu einem Schmunzeln und die Nebencharaktere sind nicht nur bloßes Beiwerk, sondern ergänzen sie und bringen sie weiter. Obwohl Der letzte Wunsch keine wirklich geschlossene Geschichte ist, sondern eine eher lose Reihe von Kurzgeschichten, durch die sich ein dünner roter Faden zieht.

Fazit: Keine High Fantasy aber ein guter Lesesnack für Zwischendurch – gerade mal 380 großzügige Seiten ist Der letzte Wunsch lang. Die interessante Hauptfigur und die lockere Schreibe tragen die Geschichte gut. Wirklich spannend wäre eine Begegnung mit eine zweiten Hexer, um zu sehen wie wirklich Hexer Geralt ist, oder ob er doch moralisch von seiner Zunft abweicht. Aber es ist ja nur eines von einigen Geralt-Büchern. Nicht umsonst wurde das Computerspiel The Witcher, das auf den Büchern basiert, von vielen Spielezeitschriften zum besten Rollenspiel 2007 gewählt. In die Rolle eines mit alchemistischen Tränken gedopten, Zauber um sich werfenden mit einer Silberklinge bewaffneten Dämonenjäger zu schlüpfen hat durchaus seinen Reiz.

Autor: Andrzej Sapkowski
Titel: Der letzte Wunsch
Titel der Originalausgabe: Ostatnie Zyczenie
Ausgabe: Juni 2007, 4. Auflage Oktober 2008 
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag 
ISBN: 978-3-423-20993-9

2 thoughts on “Kritik: Andrzej Sapkowski – Der letzte Wunsch

  1. Reply Anonymous Okt 28, 2009 20:21

    Falls das von Interesse ist:

    unter wiedzmin.de versucht eine LARP Gruppe das ganze in die Welt des Live Rollenspiels zu überführen.

    total nette Leute, viele Informationen (und ich misch da ab und zu mit ;))

    Ansonsten: weiter so! Ich guck gerne auf deiner Seite vorbei…

    Fen

  2. Reply Mel Okt 29, 2009 20:18

    Dachte mir schon, dass du Geralt kennst, Fen.

    Danke! Ich freu mich über jeden besuch.

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