Kritik: Peter V. Brett – Das Flüstern der Nacht 1

Brett_Das_Flüstern_der_NachtDie Krasianer, das kriegerische Wüstenvolk, tragen den Krieg in den Norden, um die Welt unter einem Herrscher zu vereinen und so die Dämonen für immer von der Erdoberfläche zu tilgen. Angeführt von Jardir, der sich für den Erlöser und Retter der Welt hält. Im Gegenüber steht Arlen, der ebenfalls die Geheimnisse der alten Welt kennt, und von vielen Bürgern des Nordens ebenfalls für den Erlöser gehalten wird.

Mich stören vor allem zwei Dinge an Peter V. Bretts Das Flüstern der Nacht: Zum einen die vollkommen langatmige erste Hälfte des Buches, zum anderen die fehlende Identifikation mit den Hauptfiguren.

Brett legt seinen Schwerpunkt in der ersten Häfte des Buches hauptsächlich auf den Krasianer Jardir und seinen Weg zum Erlöser. Dabei verliert er jedoch seine anderen Hauptfiguren vollkommen aus dem Blick. Außerdem lässt er den Leser bis in die Kindheit Jardirs zurückreisen, nachdem man ihn im ersten Buch bereits als Erwachsenen kennengelernt hat. An sich kein Problem, wenn der Rückblick auch als solcher inszeniert wird und nicht fast 500 Seiten lang wird, während in der Gegenwart die Krasianer gerade den Krieg in den Norden tragen. Was viel spannender zu erfahren wäre, als den harten Drill der Krasianer, der schon im ersten Band deutlich wurde, noch einmal von Adam bis Eva durch zu exerzieren. Brett möchte die Beweggründe und den Charakter Jardirs damit plausibler und fassbarer machen. Mich hat er aber vor allem gelangweilt.

Und er langweilt, weil mir vor allem Eines bei diesem Buch fehlt: Hauptpersonen, mit denen der Leser mitfiebert. Weder der tätowierten Arlen, dessen Weg zu bemalten Einsiedler so gut wie gar nicht weiter verfolgt wird, über die möchtegerntaffe Leesha, die sich trotz anscheinend vorhandenem gutem Menschenverstand selbst das Leben schwer macht, bis zum Musiker Rojer, der ewig sein Kindheitstrauma vor sich herträgt und – Achtung Klischee – natürlich in die falsche Frau verliebt ist. So wie in diesem Buch jeder zweite in die falsche Person verliebt ist.

Die Geschichte an sich ist gut: Dämonen die aus den Tiefen der Erde die Menschheit terrorisieren, zwei vollkommen verschiedene Völker im Krieg und zwei Hauptfiguren, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Aber irgendwie schafft Brett trotz dieser guten Basis und einem flotten Erzählstil nicht den Leser zu fesseln. Denn egal wie gut eine Geschichte auch ist, ohne Menschen, mit denen der Leser leiden kann, ist sie nicht mehr viel wert.

Fazit: Den ersten Teil rettet noch die gute Idee hinter der Geschichte und Bretts flotte Schreibe. Doch im zweiten Teil schafft er es nicht seinen Charakteren den nötigen letzten Schliff zu geben, um sie wirklich zum Leben zu erwecken. Der dritte Teil kommt nicht auf meine Wunschliste.

Autor: Peter V. Brett
Titel: Das Flüstern der Nacht
Originaltitel: The Desert Spear
Ausgabe: Deutsche Erstausgabe 09/2010
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN: 978-3-453-52611-2

One comment on “Kritik: Peter V. Brett – Das Flüstern der Nacht

  1. Reply Lila Weisz Mrz 18, 2011 01:18

    Hallo!

    Ich hab den ersten Teil gelesen (wirklich bis zum Ende, war nicht einfach), und bin ganz froh, zu sehen, dass ich beim zweiten nichts versäumt habe.

    Mich haben im ersten Teil vor allem das christliche Moralapostel-Getue (nur kein Sex vor der Ehe und immer brav in die Kirche gehen) und die Vergewaltigungen (erst die Inzestfamilie am Rande des Dorfes und dann Leesha) gestört. Das war irgendwie abartig. Liest sich, als hätte Brett diese Stellen – trotz seines unerschütterlichen christlichen Glaubens – irgendwie gern geschrieben *räusper schüttel räusper*

    Liebe Grüße,
    Lila

Leave a Reply