Kritik: Yvonne Pioch – Altraterra – Band 1: Die Prophezeiung

Pioch_AltraterraDie dreizehnjährige Anne lebt das einfache aber harte Leben einer Bauerntochter. Dieses Leben endet jedoch jäh als der Hof ihres Vaters von dunklen Gestalten angegriffen wird und sie zusammen mit ihrem Bruder Henri und seinem Lehrer Miraj fliehen muss. So schlittert sie in eine Welt voller Magie, Intrigen und Gefahren.

Ich möchte nicht mit der schon zichmal geführten Diskussion anfangen, ob selbst verlegte Bücher eine Bereicherung sind, weil sie außerhalb des Mainstreams der großen Verlage neue literarische Höhepunkte schaffen, oder ob sie einfach Bücher sind, die an keinem Lektor vorbeigekommen wären. Aber leider ist Altraterra von Yvonne Pioch keine Perle außerhalb des Mainstreams, sondern schlägt mitten hinein in die Mittelmäßigkeit schon hundertmal erzählter Geschichten. Bei so manchem Fantasy-Lektor wäre es deswegen vielleicht nicht direkt im Papierkorb gelandet, weil es genau den Mainstream bedient, der sich momentan gut verkauft.

Die weibliche Hauptperson Anne liegt auf jeden Fall voll im Trend. Jung, naiv und naja, eben ein Mädchen – mit all seinen klischeehaften Schattenseiten. Ich muss zugeben weibliche Charaktere haben es schwer mit mir, vor allem Hauptcharaktere. Ich mag taffe Mädchen, die nicht auf den Mund gefallen sind, die sagen was sie denken und ihren Kopf durchsetzen. Und zu dieser Gattung gehört Anne nunmal eben nicht.

Weiter geht es mit der Magierschule, die seit Hogwarts anscheinend bei keinem Fantasybuch über Magie fehlen darf. An sich ist es kein Problem auf Standardelemente zu setzten. Wenn man sie gut umsetzt. Denn Dinge einzubauen, die der Leser schon oft wo anders gelesen hat, brauchen einen eigenen Dreh, einen guten Hauptcharakter – was hier schon einmal ausfällt – oder sehr gutes erzählerisches Können. Es muss mitreißen, der Leser muss in der Bibliothek stehen und den Staub der alten Folianten riechen können, er muss in den marmornen Hallen das Flüstern der Schüler und die festen Schritte der Lehrer hören können.

Aber die Geschichte und ihre Atmosphäre dümpeln leider nur so dahin. Yvonne Pioch macht hier keine großen erzählerischen Fehler aber ihr fehlt die Liebe zum Detail, die eine Welt erst wirklich zum Leben erweckt. Atmosphärisch wirkt bei ihr der Bauernhof von Annes Vater ebenso viel oder wenig wie die großartige Magierschule. Außerdem ist sie absolut vorhersehbar. Die Gefahr bei einer Geschichte auf eine Prophezeiung oder prophetische Träume zu setzten ist eben jene Vorhersehbarkeit. Der Autor muss es schaffen trotzdem spannend zu bleiben – die sogenannte Wie-Spannung zu erhalten. Das kann er, indem er seine Prophezeiungen möglichst delphisch, kryptisch hält oder sie mit einem schönen Plottwist einbaut. Pioch versucht halbherzig die zweite Variante und scheitert damit.

Fazit: Ein erster Versuch, aber kein überzeugender. Ich hoffe die Autorin, wird sich mit ihren nächsten Büchern weiterentwickeln. Aber dieses Buch kann ich leider weder meiner kleinen Cousine noch meinen Fantasy-begeisterten Freunden empfehlen.

Disclaimer: Das Buch hat die Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Autor: Yvonne Pioch
Titel: Altraterra – Buch 1: Die Prophezeiung
Originaltitel: –
Ausgabe: Originalsausgabe Januar 2011
Verlag: Lulu.com
ISBN: 978-1-4467-0266-6

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