Kritik: Sebastian de Castell – The Greatcoats

Falcio, Kest und Brasti sind Greatcoats. Sie sind in der Kunst des Kampfes ebenso geschult wie in den Gesetzestexten des Reiches Tristia. Sie sind Helden. Oder vielmehr waren sie es, bis sie tatenlos zusahen, wie die Herzöge das Königreich übernahmen und den Kopf des Königs auf einen Pfahl spießten. Nun regieren die Herzöge mit Willkür und Chaos, und die Greatcoats sind weit verstreut, gebrandmarkt als Verräter, Diebe und Mörder. Alles, was ihnen geblieben ist, ist ein letztes Versprechen, dass sie ihrem totem König gaben. Das Versprechen, eine letzte Mission zu erfüllen.

Die vierbändige Serie rund um die Greatcoats wirft den Leser mitten hinein in eine korrupte Welt voller Schwertkämpfe, heroischer Taten und flapsiger Sprüche. Der Autor Sebastien de Castell, der darauf besteht, dass seine Name kein Künstlername ist, macht seinen Vorbildern den Drei Musketieren alle Ehre. Er erzählt die turbulente Geschichte der drei Duelanten und Gesetzeshüter Falcio, Kest und Brasti, wie sie versuchen ihr geliebtes Königreich zu retten und das geistige Erbe ihres Königs zu verteidigen. Die drei kann man sich am ehesten als plyamoröses altes Ehepaar vorstellen und die Greatcoats als eine Mischung aus Zorro und Ally McBeal. Das mag etwas abschätzig klingen, ist aber eine absolut unterhaltsame Kombination. Die Dynamik zwischen den drei Freunden ist grandios beschrieben und man trauert fast um jede Szene, in der sie nicht schwertschwingend und bogenschießend dumme Sprüche reißen und sich gegenseitig veralbern.

„Everyone shush now. I’m about to be impressive.“
– Sebastien de Castell, Tyrant’s Throne

Allgemein sind die Kampfszenen der Greatcoats-Bücher mit ihr stärkster Punkt. Sie sind rasant, detailliert und machen einfach Spaß zu lesen. Ich kann sie mir auch wunderbar auf der großen Leinwand vorstellen, aber eher im Stil eines Errol Flyns als Kevin Costners. Inklusive heroischem an Seilen durch Säle schwingen. De Castell war nach eigenen Angaben im Laufe seines Lebens auch eine Zeit lang Kampf-Cheograph. Das kann man meiner Meinung nach deutlich herauslesen. Mich erinnert die Kombination aus einer Bande an Freunden, die schwertschwingend die Welt retten, stark an die ersten Drizzt-Bücher von R.A. Salvatore – minus dem nervigen Barbaren. Da de Castell die Geschichte aus der Perspektive von Falcio erzählt, bekommt man auch seine moralischen und sonstigen Dilemma mit, ähnlich wie bei dem abtrünnigen Drow.

Zwischendrinnen muss man als auf Realismus und Logik pochender Fantasy-Leser über manche Dinge einfach hinweglesen. Dass die politische Strategie des Königs Paelis bis zum Schluss nicht wirklich durchdacht erscheint. Schwamm drüber. Dass die drei Helden fast jedes Problem mit einem Duell lösen können – was sie selbst aber auch immer wieder verwundert feststellen. Egal. Es macht einfach Spaß. Dafür sammelt de Castell Pluspunkte mit seinen weiblichen Charakteren: von der manchmal nicht ganz so bamherzigen Ethalia bis zur sich durchbeißenden Valiana, die dem wilden Herrentrio ordentlich Eier entgegensetzen.

Words matter. Without words you can’t have stories and without stories we would never have heard of the Greatcoats.
― Sebastien de Castell, Knight’s Shadow

In Deutsch sind die Bücher im Verlag Piper erschienen. Die Übersetzung der Titel hat der Verlag wie üblich für einen deutschen Übersetzungen mal wieder in den Sand gesetzt. Aus Traitor’s Blade, Knight’s Shadow, Saint’s Blood und Tyrant’s Throne wurde Blutrecht, Hochverrat, Sturmbogen und Buch vier fehlt noch. Warum sollten die Titel einer Buchreihe auch irgendein Muster aufweisen? Vielleicht war ihnen „Das Schwert des Verräters“, „Der Schatten des Königs“, „Das Blut der Heiligen“ und „Der Thron des Tyrannen“ aber auch einfach zu lang? Immerhin scheinen sie so viel Vernunft zu haben, den Begriff Greatcoat nicht zu übersetzen. Außerdem haben sie die Coverillustrationen aus der englischen Version übernommen. Diese sind wirklich schön und haben auch eine Verbindung zum Inhalt der Bücher. Was bei dem x-ten Typen in langem Umhang von hinten ja oft eher weniger der Fall ist. Ich hätte aber auf die möchtegern-moderne fette Schrift verzichtet. Das sieht für mich eher nach Thriller als nach Fantasy aus.

Fazit: Die Bücher sind immens unterhaltsam, temporeich und genau die richtige Kost, wenn man zwischen dem Blut und Unrat eines Joe Abercrombie, den zweispältigen Hauptfiguren eines Mark Lawrence und der Prosa eines Patrick Rothfuss‘ einmal Luft holen möchte. Es ist eine wunderbare Geschichte, wie drei Helden versuchen, die Welt zu retten.

Autor: Sebstien de Castell
Titel: Traitor’s Blade, Knight’s Shadow, Saint’s Blood, Tyrant’s Throne
Verlag: Quercus
Ausgabe: Englische Ausgabe, 2014 bis 2017
ISBN: 9781782066750, 9781782066774, 9781782066804, 9781786483232

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