Kritik: Julia Conrad – Die Drachen 1

Conrad_Die_DrachenEinst herrschten die Drachen über das Reich Chatundra. Doch dann stürzte Phuram  der Gleißende das Dreigestirn der Drachen und begann damit seine Schreckensherrschaft als Sonnengott. Neun Auserwählter treten Jahrtausende später den Kampf an, um das Dreigestirn aus seinem Gefängnis zu befreien und so der Welt das Zeitalter der Drachen zurückzubringen.

Ich hätte es wissen sollen. Allein der Titel Die Drachen hätte eigentlich ausreichen sollen, um meine Hände von diesem Buch zurückzucken zu lassen wie von einer heißen Herdplatte. Aber mit Drachen kriegt man mich einfach immer. Leider fügt sich das Buch ganz seinem Titel gemäß in die blasse, uninspirierte Reihe der „Die Zwerge, Die Orks, Die Elfen, Die-Füge-beliebiges-Geschöpf-aus-Mittelerde-hier-ein“-Papierverschwender. Julia Conrad schafft es zwar eine schöne Welt zu entwerfen, in der Drachen so selbstverständlich sind wie bei uns Adler und die trotzdem fastzinieren. Auch die Welt unter der Herrschaft des Sonnengottes Phuram ist detailliert beschrieben und wirkt somit durchaus lebendig.

Doch es scheitert wie so oft an den Charakteren. Trotz 500 Seiten bleiben sie zu oberflächlich und wachsen dem Leser zu wenig ans Herz. Ich bin ein großer Fan davon normale Menschen ohne Magie des neunten Zirkels, verzauberte Schwerter und Superkräfte zu Hauptfiguren und Helden zu machen, aber trotz aller Normalität dürfen sie nicht langweilig sein. Vor allem am Anfang ist es schwer den ganzen Völkern, Ländern, Personen zu folgen ohne eine richtige Bezugsperson. Denn viele Personen, die der Leser zu Beginn und auch öfter im Laufe des Buches vorgesetzt bekommt haben oft gar keinen Bezug oder Relevanz zur späteren Geschichte. Der Drache Vauvenal begleitet den Leser zwar vom Anfang des Buches im glorreichen Zeitalter der Drachen bis zum finalen Angriff gegen Phuram, aber auch ihm hätte ich mehr Tiefe als den edlen großmütigen Drachen gewünscht. Vor allem, weil das Buch doch Die Drachen heißt. Aber leider handelt es zu einem großen Teil dann doch nur von nicht sonderlich interessanten Menschen. Wirklich spannend wird die Reise der Auserwählten nie. Nicht nur, weil ihre Charaktere zu oberflächlich gezeichnet sind, sondern auch weil die großen Konflikte nie dort stattfinden, wo sie sich gerade befinden. Auch ihre Gegenspieler – egal ob Drache oder Mensch – wirken weder stark noch klever genug ihnen wirklich etwas anzutun.

Was im großen Ganzen ebenfalls als Manko angesehen werden muss, ist die oftmals etwas zu prosaisch und zu bildhafte Sprache der Autorin. Was vielleicht bei einer anderen Geschichte einen gewissen Reiz ausgemacht hätte, wirkt hier hin und wieder als würde man die Beschreibung eines Ölgemäldes lesen. Es rückt den Leser eher vom Geschehen ab, als ihn hineinzuziehen.

Fazit: Zu wenig Drachen in einem Drachen-Buch. Zu wenig Spannung und Kampf für den Sturz eines Gottes. Zu wenig Identifikation, um Charaktere liebzugewinnen. Epische High-Fantasy wie es der Einband verspricht, bekommt man wo anders.

Autor: Julia Conrad
Titel: Die Drachen
Ausgabe: Ungekürzte Taschenbuchausgabe Juni 2006
Verlag: Piper Verlag, München
ISBN: 3-492-26617-7

One comment on “Kritik: Julia Conrad – Die Drachen

  1. Reply Martin Feb 16, 2010 00:10

    Zwei schlechte Bücher in Folge… na da wünsche ich mehr Freude beim nächsten Buch 🙂

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