Kritik: Mark Lawrence – Die Broken Empire Trilogie

Der junge Prinz Jorg muss miterleben wie seine Mutter und sein Bruder getötet werden. Von da an treibt ihn nur noch ein Gedanke an: Rache. Aus Rache wird der Wille den zersplitterten Kontinent wieder unter einem Kaiser zu vereinen.

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Mark Lawrence gehört mit seiner Broken Empire Trilogie Prinz der Dunkelheit, König der Dunkelheit und Kaiser der Dunkelheit zu den Autoren, die Geschichten erzählen jenseits der polierten Mamorsäle weiser Könige und Magier und der klaren Trennung zwischen Gut und Böse. Es geht ähnlich brutal und ungeschminkt zu wie bei einem Joe Abercrombie oder Scott Lynch. Bei Lawrence gibt es keinen klassischen Bösewicht, vor dem die Welt gerettet werden muss. Manchmal möchte man die Welt lieber vor seinem Hauptcharakter retten: vor Jorg Ancrath, dem Prinz der Dornen.

„A dark time comes. My Time. If it offends you. Stop me.“
― Mark Lawrence, King of Thornes

Jorg Ancrath ist einer der spannendsten Charaktere, der mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Er mordet und foltert. Dennoch wünscht man ihm nicht die Dämonen der sieben Höllen an den Hals, sondern die Rückkehr auf einen besseren Pfad, in eine bessere Welt. Man sieht als Leser sein Potenzial – Kleverness, Gerechtigkeitssinn, die Liebe zu seinen Freunden und Familie – und leidet bei jedem Schritt, den er auf blutigeren Wegen macht. Jorg selbst ist überrascht, dass er trotz seiner Taten Freunde hat, die ihm treu sind, die ihn lieben. Als Leser wird man zu einem dieser Freunde, die für ihn hoffen, obwohl sie immer wieder die Grausamkeit sehen, zu der er fähig ist. Jorg handelt skrupellos, aber er ist nicht skrupellos. Die Geister seiner Opfer verfolgen ihn – wortwörtlich. Das lässt immer wieder hoffe, dass er zu einem besseren Menschen werden kann. Es ist ein grandioser Balanceakt des Autors zwischen Empathie und Abneigung. Lawrence überreizt diesen Balanceakt nur an zwei oder drei Stellen etwas, wenn Jorg einfach durch pures Glück überlebt.

Lawrence_König_der_Dunkelheit„Follow me, and I will break your heart.“
― Mark Lawrence, Emperor of Thornes

Neben dem Balanceakt der Hassliebe zu seinem Hauptcharakter spielt Lawrence mit dem Konzept welcher Zweck die Mittel heiligt. Ist es richtig sprichwörtlich über Leichen zu gehen, um einem kompletten Kontinent Frieden zu bringen? Bei Lawrence gibt es keine Alternative zu diesem Konzept. Denn jeder gerechtere Weg wird zwangsweise von der Brutalität und der Gier anderer zerstört. Jorg ist bereit alles zu opfern, um sein Ziel zu erreichen. Auch seine eigene Menschlichkeit.

„Anything that you cannot sacrifice pins you. Makes you predictable, makes you weak.“
– Mark Lawrence, Prince of Thornes

Zu dem spannenden Konflikt des nicht-heroischen Hauptcharakters gesellen sich ein temporeicher, bildhafter Erzählstil und ein spannendes Setting. Lawrence lässt den Leser selten zu Atem kommen. Seine drei Bücher wirken wie aus einem Guss. Die Welt des Broken Empire ist eine postapokalyptische Welt einer Zivilisation weiter entwickelt als unsere. Wenn der Leser Jorg dabei begleitet wie er durch die Ruinen und Fragmente dieser alten Welt stolpert ist er ebenso am Rätselraten wie der Prinz.

Lawrence_Kaiser_der_DunkelheitEin wenig schade ist – mal wieder – die deutsche Übersetzung der Titel: aus dem Prinz auf Thornes wurde der Prinz der Dunkelheit. Auch wenn es nicht ganz unpassend ist Jorg so zu betiteln, nimmt es den Büchern doch etwas von ihrer Einzigartigkeit – der XYZ der Dunkelheit ist nunmal kein Titel, der vor Originalität strotzt. Außerdem sind die Dornen und mit ihnen der Dornenbusch, der den jungen Jorg davon abhält seinem Bruder zu Hilfe zu eilen, über alle drei Bücher ein bleibendes und wichtiges Motiv der Geschichte. Es schlägt eine Kerbe in die sonst sehr runden, durchdachten und vielschichtigen Bücher dieses Motiv von der Titelseite zu verbannen. Da ich die Bücher auf Englisch gelesen habe, kann ich nur hoffen, dass Jorg zumindest in den Büchern seinen Titel als Prinz der Dornen trägt.

„Every man has his thorns, not of him, but in him, deep as bones.“
– Mark Lawrence, Emporer of Thornes

Alles in allem ist die Broken Empire Trilogie ein wilder Ritt auf den Fersen eines Eroberers – blutig, grausam und grandios. Ein würdiger Gewinner des David Gemmell Legend Award for Best Fantasy Novel 2014.

Autor: Mark Lawrence
Titel: Prince of Thornes, King of Thornes, Emperor of Thornes
Verlag: Harper Voyager
Ausgabe: Englische Ausgabe, 2013
ISBN: 978-1937007683, 978-0425256237, 978-0425256541

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